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Elmar Traks

Elmar Traks

Feth, Monika – Der Erdbeerpflücker (2003)

Der Inhalt dieses Buches ist schnell erzählt: Nachdem in Norddeutschland zwei Mädchen von einem Serienkiller umgebracht worden sind, geschieht ein weiterer Mord nach dem gleichen Muster in Süddeutschland.

Dort leben auch die Beinahe-Abiturientinnen Caro, Merle und Jette in einer Wohngemeinschaft. Caro hat sich vor kurzem unsterblich in einen wesentlich älteren Mann verliebt, der ihr allerdings, so sehr sie ihn auch bittet, nicht seinen Namen nennt. Sie würde ihn auch liebend gerne endlich ihren Freundinnen vorstellen, was er jedoch auf keinen Fall möchte.

Dann wird Caro ermordet, und Jette schwört auf der Beerdigung öffentlich, den Mörder der Freundin zu finden. Während sie mit Merle erste Nachforschungen anstellt, verliebt sie sich Hals über Kopf – und zwar ausgerechnet in den Täter, einen von Ort zu Ort reisenden Erdbeerpflücker, ohne jedoch zu ahnen, wen sie vor sich hat. - Damit beginnt ein Wettlauf mit der Zeit um ihr Leben.

 

Durch die geschickt wechselnden Erzählperspektiven, vor allem die von Jette, Merle und dem Erdbeerpflücker, ist der Leser der Entwicklung immer einen Tick voraus. Er weiß im Gegensatz zu Jette, die in ihrer Verliebtheit die Parallelen zu Caros Beziehung mit diesem Mann ausblendet oder als Zufall abtut, in welche Gefahr sie sich begibt und ahnt, welchen Verlauf das Verhängnis nehmen wird. Es bleibt jedoch die Frage, ob und wie sie der Katastrophe noch entkommen kann.

 

Der erste Teil des Buches, in dem es vor allem um die Beziehung Jettes zu ihrer berühmten Autoren-Mutter, familiäre Konstellationen und die Schilderung des WG-Lebens geht, plätschert ganz nett unterhaltsam, aber relativ unspannend dahin.

Erst in der zweiten Hälfte kommt Fahrt auf, die immer rasanter wird – der Wettlauf zwischen dem Täter und Jette um deren Leben oder Tod spielt sich auch im Kopf des Lesers ab und gönnt ihm keine (Lese-) Pause.

 

Neben der kaum vorhandenen Spannung im ersten Teil weist das Buch meines Erachtens zwei weitere Mängel auf:

 

Erstens wird die 18-/19-jährige Jette als so intelligent, rational und erwachsen geschildert, wie es kaum der Realität entspricht. Selbst ihre Sprache ist durchgängig die einer gebildeten Erwachsenen. Dann aber wiederum ist sie so naiv und beeinflussbar, dass sie in ihrer blinden Verliebtheit nicht die ganz offensichtlichen Parallelen zu ihrer ermordeten Freundin Caro sieht. Trotz einer recht genauen Personenbeschreibung, die sie vom Täter erhalten hat, und obwohl sie und Merle durchaus damit rechnen, dass er sich in ihrer Nähe aufhält, erkennt sie nicht, wer sich an sie „heranmacht“. Das schlagartige Fehlen jeglichen Misstrauens wirkt auf mich – selbst unter Berücksichtigung ihres emotionalen Ausnahmezustandes - unglaubwürdig.

 

Zweitens kommen Merle und der ermittelnde Kommissar dem Erdbeerpflücker schließlich allein durch Intuition, Bauchgefühl und eine subjektive Interpretion von Caros selbst verfassten Gedichten auf die Spur – stichhaltige Beweise fehlen völlig. Das erscheint mir für die Aufklärung von vier Serienmorden ein wenig allzu genial.

 

Resümee: Dieses Jugendbuch ist für die angegebene Altersgruppe (14 -17 Jahre) sehr empfehlenswert, bietet aber auch Erwachsenen im ersten Teil gute Unterhaltung und im zweiten immer größer werdende Spannung – vorausgesetzt, man kann über die angegebenen Mängel hinwegsehen.

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Kommentare: 2
  • #1

    nadine sch. (Donnerstag, 07 Juni 2012 11:22)

    vielen dank für die super beschreibung! werde das buch lesen.

  • #2

    Gellert, Heike (Dienstag, 12 Mai 2015 18:34)

    Das Buch wurde soeben bei meinem Buchhändler an die Pinnwand geheftet. Es ist Erdbeer-Zeit und da kommt doch dieser Thriller gerade zur rechten Zeit. Danke für die Rezension, die ich gerne unserem Willi im Dorf übermitteln werde.