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Elmar Traks

Elmar Traks

Birkefeld, Richard – Zur falschen Zeit am falschen Ort (2011)

Es handelt sich bei diesem Werk um eine Anthologie aus 10 sehr unterschiedlichen Kurzkrimis, in deren Mittelpunkt

u.a. zwielichtige Typen, gescheiterte Existenzen, Kriminelle stehen.

Da ich unten den Inhalt der einzelnen Texte skizziere, wäre es bis zum Fazit ein langer „Weg“, daher stelle ich diesmal ein kurzes Resümee voran:

Jede einzelne der Geschichten ist sehr spannend und dazu noch ausge- sprochen intelligent aufgebaut – beileibe keine 08/15 Anthologie. Da der Autor u.a. Historiker ist, wundert es nicht, dass einige Geschichten einen geschichtlichen Hintergrund haben. Diesen in Form eines Kurzkrimis aufzu- bereiten, ist ein sehr anspruchsvolles Vorhaben, das hier hervorragend gelungen ist.

Nicht nur die ganz unterschiedlichen Charaktere der Hauptpersonen, son- dern auch der Zeitaspekt und die Orte des Geschehens sorgen für eine Varianten-Vielfalt: Die Handlungen sind im 19. bis 21. Jahrhundert in allen Teilen der Republik angesiedelt.

 

Zu den einzelnen Kurzkrimis:

Der Archäologe

Dr. Georg Sartorius ist ein renommierter Archäologe, der sich im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit 30 Jahre lang hauptsächlich mit Kno- chenfunden in der ehemaligen Wikingersiedlung Haithabu befasst hat. Und er wurde vor ca. 35 Jahren zum Mörder - allerdings hat man ihn nie über- führt. Doch wirklich frei fühlt sich Dr. Sartorius jetzt, so kurz vor seiner Pen- sionierung, nicht, zumal er von seiner Ehefrau genervt und gelangweilt ist.

 

Der Attentäter

… lässt nach einem Anschlag das Geschehen inklusive der Bilder von Toten und Verstümmelten vor seinem inneren Auge Revue passieren. Er stellt sich dabei immer wieder Fragen über den Sinn und die Konsequenzen seines Handeln.

Geschichtliche Grundlage für diesen Text ist das Sprengstoff-Attentat auf Hitler 1939 im Münchner Bürgerbräu-Keller: Johann Georg Elser plante es akribisch, jedoch musste Hitler die Veranstaltung früher als geplant ver- lassen, blieb somit verschont.

 

Der Dosenwerfer

„Es ist die Geschichte zweier Männer, die dem Schicksal nicht entrinnen konnten, das ihre gemeinsame, mit Habgier und Gewalttätigkeit gewürzte Liebe zum Fußball über sie verhängt hat.“

(Zitat aus dem ersten Absatz dieses Kurzkrimis). Auslöser dafür, dass dann Morde geschehen, ist der Erzähler, ein für ein entscheidendes Fußballspiel gekaufter Dosenwerfer.

 

Der Junkie

Diese Geschichte entspricht jener mit dem Titel „Der goldene Schuss“ aus der Anthologie „Mördchen fürs Örtchen“ (Rezension vom 8. Okt. 2013):

Der Autor erzählt, wie in den Toiletten einer Markthalle einem SEK-Mann der „goldene Schuss“ gelingt – und das alles auch noch nach der Devise „Die Polizei, Dein Freud und Helfer“.

 

Der Killer

Es werden Episoden aus Bodos Leben vom Kleinkind in einem desolaten Elternhaus zum kriminellen jungen Erwachsenen geschildert: anfangs recht kurz und stichpunktartig, dann länger werdend und in ganzen Sätzen ge- schrieben. Bodo wird auf seinem Weg immer brutaler und gesetzloser – Endstation ist die lukrative „Karriere“ als (Auftrags-) Killer, die ein abruptes Ende findet.

Der Ostfriese

Kurz nach seiner Geburt im Jahre 1939 wird Rippe Rippens Vollwaise. Er wächst in Ostfriesland bei den Großeltern auf und schlägt sich später mit diversen Jobs durch. Sein Eingreifen bei einer gewalttätigen Auseinander- setzung ist für ihn die „Eintrittskarte ins Big Business“ (E-Reader Pos. 884). Seine Arbeit u.a. für Untergruppierungen der Cosa Nostra und diverse Kar- telle macht ihn reich, sodass er irgendwann abtauchen kann. Erst gut 40 Jahre später kehrt er nach Ostfriesland zurück, wo er nur noch eine Aufgabe erledigen muss.

 

Der Sammler

Der Erzähler und sein Freund sammeln als Kinder während des Krieges tote Vögel, die ein betagter Bekannter präpariert – sie wollen gerne von jedem einheimischen Exemplar eins archivieren. Doch als das Sammlerglück sie verlässt und der Freund sich als Jäger entpuppt, zerbricht die Freundschaft. Beide gehen fortan getrennte Wege und verlieren sich nach einer schreck- lichen Gewalttat ganz aus den Augen.

 

Der Sohn

… lässt einen vom Vater geerbten Ring - einen Kameo mit Isis-Motiv – von einem renommierten Juwelier schätzen. Dieser versichert, dass das Stück aus der Ptolemäischen Spätphase stammt und von unermesslichem Wert sei. Als sich herausstellt, dass bereits vor vielen Jahren vom Vater des Juweliers darüber ein schriftliches Gutachten angefertigt wurde, tauchen Ungereimtheiten auf. Hat der Vater des jetzigen Ringinhabers seinen Sohn über die Herkunft des Kameo belogen?

 

Der Spieler

Tommy hat ein Laster: Die Spielleidenschaft, und er hat 140.000 „Ocken“ Schulden bei Kater Carlo, dem Boss eines Schlägertrupps. Bis Weihnachten muss er die beglichen haben, oder es geht ihm ans Leben. Da sind Einfalls- reichtum, gute Organisation und die Hilfe eines Bekannten erforderlich –

ein dummer Zufall vermasselt jedoch die Freude an dem nahezu perfekt ge- lungenen Plan.

 

Der Wahrsager

Alphonse Rothenberger hatte seinen Schulkameraden – darunter Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm II – einst die Zukunft gewahr- sagt, und bei Graf Robby ist bislang fast alles eingetreten. Auf der Verlo- bungsfeier des Kronprinzen ziehen die damaligen Ereignisse nun vor seinem geistigen Auge vorbei.

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