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Elmar Traks

Elmar Traks

Geda, Fabio – Im Meer schwimmen Krokodile (2012)

Eine wahre Geschichte


Enaiat(ollah) ist etwa 10 Jahre alt – sein genaues Geburts-datum kennt er nicht -, als seine Mutter ihn heimlich von Afghanistan, wo der Clan von Schiiten verfolgt wird, in eine Sammelunterkunft nach Pakistan bringt. Wenigstens er soll die Chance

auf ein besseres Leben haben.

Eines Abends fordert sie vor dem Einschlafen 3 Versprechen von ihm:

nie Drogen zu nehmen, keine Waffen zu benutzen und nicht zu stehlen.

Als Enaiat am nächsten Morgen aufwacht, ist die Mutter verschwunden:

Sie ist zur Familie nach Afghanistan zurückgekehrt. Dagelassen hat sie

ihm nur einen Stoffbeutel mit einer Hose und Jacke zum Wechseln.


Enaiat nimmt sich die Worte der Mutter zu Herzen: Er beschließt, seine Chance zu nutzen und etwas aus seinem Leben zu machen.

Nachdem er eine Weile in Pakistan gearbeitet hat, beginnt er eine aben-teuerliche Reise nach Europa, die insgesamt etwa 5 Jahre dauert: Vom

Iran, über die Türkei und Griechenland gelangt er schließlich nach Italien. Das nötige Geld verdient er sich durch harte Arbeit, liefert sich Schleusern aus, wird oft ausgenutzt, gerät in gefährliche Situationen, erlebt immer wieder Rückschläge und Enttäuschungen.

Aber er erfährt auch viel Hilfe sowie menschliche Zuwendung, hat oft Glück und vergisst nie die Versprechen, die er seiner Mutter gegeben hat.

Vor allem verliert er nie den Glauben an die eigene Kraft und das Gute im Menschen.


In Italien lernt er die Sprache, wird endlich als politisch Verfolgter anerkennt, bekommt eine Arbeitserlaubnis und besucht schließlich sogar eine Fach-oberschule. Im 3. Jahr dort nimmt er zum ersten Mal wieder Kontakt zu seiner Familie auf.


Resümee: Der Italiener Fabio Geda hat die Geschichte, die ihm

Enaiatollah Akbari kurz nach seinem 21. Geburtstag zu Ende erzählt

hat, aufgeschrieben.

Bemerkenswert sind dabei sowohl Inhalt als auch Stil:

Der Leser ist immer wieder beeindruckt von der Kraft und vom Willen Enaiats, der nie aufgibt. Man bangt, hofft, leidet, freut sich mit ihm, wenn

er sich über viele Stationen bis nach Italien durchschlägt - als Illegaler

immer mit der Angst vor Polizei und Abschiebung im Nacken.

Das Buch ist in der einfachen Sprache des Jungen geschrieben und unter anderem gerade deshalb so berührend. Man erfährt wenig über Enaiats Gefühle – fast so, als könne er sich diese im Überlebenskampf nicht leisten. Vielmehr schildert er seine Erlebnisse recht sachlich, nahezu emotionslos, beinahe schon im Berichtstil. Hierin liegt gleichzeitig eine Stärke: Die eigene Vorstellungskraft und Interpretation des Lesers werden gefordert, ohne dass er in Bezug auf eine Wertung beeinflusst wird.


Am Ende des Buches ist man erstaunt, dass Enaiat ca. 5 Jahre unterwegs war – es kommt einem viel kürzer vor. Aber auch in dieser Raffung liegt ein großer Vorteil der Erzählung, die niemals langweilig wird.


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