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Elmar Traks

Elmar Traks

Winkler, Yvonne – Ärztin einer neuen Ära (2022)

Hermine Heusler-Edenhuizen

Sie kämpfte für das Wohl werdender Mütter und für ihre große Liebe

Historische Romanbiografie

 

Hermine Edenhuizen (*1872 in Pewsum bei Emden, 1955 in Berlin) legte 1908 ihre Facharztprüfung als „Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe“ab. Damit galt sie als die erste in Deutschland offiziell anerkannte Frauenärztin und durfte eine eigene Praxis eröffnen.

Doch bis es so weit ist, ist es ein harter, entbehrungsreicher Weg, geprägt

von harter Arbeit, Fleiß und herausragenden Leistungen, aber auch vielen Zweifeln, ob sie den Anforderungen gewachsen sein würde. Dabei helfen

und leiten sie ihr gesamtes Leben lang zwei Wahlsprüche: „Doo dien best, God deit de Rest“ (Tue dein Bestes, Gott macht den Rest) und „In der Beständigkeit liegt das Geheimnis des Erfolgs“. Letzterer stammt von ihrem Vorbild, der Pädagogin und Frauenrechtlerin Helene Lange, die sie immer wieder ermuntert und unterstützt.

 

Hermines Weg beginnt damit, dass sie in einer Zeitschrift liest, dass Helene Lange in Berlin Gymnasialkurse für Frauen erstritten hat, um ihnen die Mög-lichkeit zu geben, ein anerkanntes Abitur machen zu können. Sie meldet sich für den Kurs an, verlässt ihre Familie im heimischen Ostfriesland und zieht nach Berlin Doch viele Lehrer unterrichten die kleine Gruppe von Schüle-rinnen halbherzig, zeigen sogar deutlich, dass sie ihnen die geistigen Fähig-keiten nicht zutrauen und den Sinn eines gehobenen Schulabschlusses für jemanden, der ja sowieso bald heiratet, nicht einsehen.

Hermine jedoch besteht alle schriftlichen Abschlussarbeiten mit Auszeich-nung. Da das für eine Frau jedoch viel zu gut ist – bei diesem exzellenten Ergebnis kann sich nur um Glück, Zufall, Mitleid der Prüfer handeln – muss sie auch noch eine mündliche Prüfung ablegen; männlichen Mitstreitern

wäre sie erspart geblieben. Auch diese Hürde meistert sie hervorragend.

 

Das bedeutet aber nicht, dass sich die Abiturientinnen nach bestandener Prüfung an einer Universität im Kaiserreich immatrikulieren dürfen. Lediglich mit der Sondererlaubnis jedes einzelnen Professors dürfen sie als Gasthörer Vorlesungen und andere Veranstaltungen besuchen.

Doch die meisten Dozenten weigern sich, Vorträge für Männer und Frauen

zu halten. Häufiges Argument: Sie können nicht für das schickliche Benehmen der jungen Herren garantieren. Viele der ohnehin wenigen Studentinnen geben auf: Sie sind es leid, immer und immer wieder darum zu betteln, an Vorlesungen, Seminaren und praktischen Übungen teilnehmen zu dürfen,

und dann auch noch dem Spott und den diskriminierenden Kommentaren ihrer Kommilitonen ausgesetzt zu sein. Einige, wie schließlich auch Hermine, wechseln nach Zürich, wo es Frauen erlaubt ist, zusammen mit Männern Medizin zu studieren - allerdings nur ein Semester, dann muss es nach Deutschland zurückgehen, wenn man dort einen anerkannten Abschluss erwerben möchte.

 

Diesen erlangt Hermine mit Bravour. 1903 wird mit ihr und ihrer Freundin Frida zum ersten Mal an der Universität Bonn zwei Frauen die Doktorwürde verliehen.

 

Aber während z.B. weibliche Angestellte in Fabriken oder Haushaltshilfen für ihre Arbeit entlohnt werden, gilt das für Akademikerinnen nicht – das Studium wird in Bezug auf Frauen als Hobby oder Spleen betrachtet. Daher ist es für Hermine ein ganz besonderer Tag, als sie 1906 zum ersten Mal eine Lohntüte in Empfang nehmen darf – als erste bezahlte Assistenzärztin an der Bonner Universitätsklinik.

 

Sie eröffnet ihre eigene Praxis und lernt in einem Gesprächskreis den Arzt Dr. Otto Heusler kennen. Beide verlieben sich ineinander – eine Unmöglichkeit, da Otto verheiratet und Vater eines Sohnes ist. Obwohl beide sich bemühen, gegen ihre Gefühle an- und sich aus dem Weg zu gehen, gelingt es ihnen nicht.

Otto Heusler macht sich schließlich den Entschluss, sich von seiner Ehefrau scheiden zu lassen, keineswegs leicht, und auch Hermine ist deren Schicksal und das ihres Sohnes nicht gleichgültig. Immer wieder fragt sie sich, ob es richtig ist, das eigene Glück auf dem Unglück anderer aufzubauen. Ottos Freundeskreis schrumpft gewaltig, Hermine erhält anonyme Schmähbriefe,

in denen sie als Dirne und Ehebrecherin bezeichnet wird, und beide werden

in der Öffentlichkeit beschimpft. Sie heiraten 1912 – begleitet von einem weiteren Skandal. Denn das Paar lässt einen Ehevertrag aufsetzen, der es Hermine erlaubt, als verheiratete Frau ohne Zustimmung ihres Mannes berufstätig zu sein und über ihr Vermögen selbst bestimmen zu dürfen. Auch nach der Adoption zweier Kinder bleibt Hermine weiter berufstätig.

Bis zu Otto Heuslers Tod im Jahren 1943 führen sie eine gleichberechtigte und stabile Ehe

 

In den 1920-er Jahren setzt sich Hermine Heusler-Edenhuizen zusammen mit Kolleginnen für die Abschaffung oder zumindest radikale Änderung des §218 (Strafbarkeit eines Schwangerschaftsabbruchs) ein und wird Gründungs-vorsitzende des „Verbandes deutscher Ärztinnen“. Für ihr Engagement erntet sie von der Männerwelt Häme, Beschimpfungen als Hure, gottloses Weib oder Kindsmörderin. Man droht ihr sogar mehrfach, sie zu vergewaltigen, zu verprügeln, ihre Praxis zu verwüsten oder sie als Hexe zu verbrennen.

 

Die Nazi-Zeit übersteht sie weitestgehend unbeschadet, auch weil sie viele Ehegattinnen der Parteibonzen behandelt.

 

1937 verabschiedet sie sich in den Ruhestand;1955 stirbt sie an den Folgen eines Schlaganfalls.

 

Resümee: Dies ist die Biografie einer mutigen und empathischen Frau, die sich nicht von den herrschenden Normen der damaligen Zeit unterkriegen lässt, sondern engagiert gegen alle Widerstände ihr Ziel verfolgt. Dies gilt auch für die inneren Hemmschwellen, die ihr durch ihre Erziehung und gesellschaftliche Normen auferlegt werden.

 

Das Buch beschreibt am Beispiel des Lebenswegs von Hermine Heusler-Edenhuizen in einer spannenden Handlung in erster Linie die Ungleich-behandlung der Frauen zu damaliger Zeit, indem es auf deren Rechte und Pflichten verglichen mit denen von Männern eingeht. Es ist ein Abbild der sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten sowie der herrschenden Moralvorstellungen.

 

Hermine Heusler- Edenhiuzen hatte selbst ein Buch geschrieben mit dem

Titel „Du musst es wagen – Lebenserinnerungen der ersten deutschen Frauenärztin“. Aus ihm stammen viele Anekdoten und Personen, wie z.B.

ihre Geschwister und Professoren. Die fachlichen und gesellschaftlichen Zustände sind historisch belegt.

 

Fazit: die Biografie einer mutigen Frau, die für ihre Ziele erfolgreich kämpft

 

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