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Webmaster u.v.a.m.

Elmar Traks

Elmar Traks

Strobel, Arno – Die App (2021)

Sie kennen dich. Sie wissen, wo du wohnst.

Psychothriller

 

Der Chirurg Hendrik Zemmer und seine Verlobte Linda sitzen zu Hause in Hamburg-Winterhude beim romantischen Abendessen und unterhalten sich über ihre unmittelbar bevorstehende Hochzeit. Als plötzlich sämtliche Lampen herunterdimmen, glaubt Hendrik an einen Defekt von „Adam“, dem bei ihnen installierten Smart-Home-System, das die gesamte Haustechnik steuern kann.

Kurz darauf wird der beschauliche Abend durch das Klingeln seines Handys gestört: Hendriks Chef bittet ihn, in die Uniklinik Eppendorf zu kommen, um ihn bei einer Not-OP zu unterstützen. Erst gegen Morgen kehrt er nach Hause zurück – doch Linda ist nicht mehr dort.

 

Das Bett ist völlig unbenutzt, sie hat keine Nachricht hinterlassen und auf ihrem Smartphone erreicht er nur die Mailbox. Einbruchsspuren oder andere Hinweise auf ein Verbrechen fehlen völlig – alles sieht danach aus, als hätte seine Verlobte das Haus freiwillig verlassen. Hat sie wegen der Hochzeit Panik bekommen und sich mitten in der Nacht davongemacht? Hendrik sowie gute Bekannte und Freunde, mit denen er spricht, schließen das kategorisch aus.

Die Polizei lehnt Ermittlungen ab, da es keine Anzeichen auf „Gefahr für Leib und Leben“ gibt.

 

Als Hendrik Zemmer später noch einmal in Ruhe durch alle Räume geht,

stellt er fest, dass der Koffer und einige Kleidungsstücke seiner Verlobten fehlen. Ist sie also doch ohne eine vorherige Aussprache freiwillig gegangen? Aber warum? Sie waren doch so glücklich miteinander und freuten sich auf die Hochzeit in weniger als einer Woche; es gab aus seiner Sicht nicht ein einziges Anzeichen dafür, dass Linda plante, sich von ihm zu trennen. Er hat nur eine Erklärung: Jemand muss sie gewaltsam gezwungen haben, das Haus zu verlassen.

 

Aber wie konnte derjenige in das durch die Smart-Home-App gesicherte Haus eindringen? Warum hat sie keinen Alarm ausgelöst? Dass Linda mitten in der Nacht jemandem die Tür geöffnet hat, schließt er aus.

 

Plötzlich fühlt sich Hendrik mehr und mehr beobachtet, und die App scheint ein Eigenleben zu führen.

 

Und dann meldet sich bei ihm eine Frau, die Unglaubliches schildert.

 

Resümee: Der Leser ist sofort in der Handlung drin: Linda und Hendrik verbringen ein paar Tage vor ihrer Hochzeit einen stimmungsvollen Abend

in trauter Zweisamkeit, als der Chirurg zu einer Not-OP ins Krankenhaus gerufen wird. Als er heimkehrt, ist seine Verlobte verschwunden – ohne auch nur das geringste Anzeichen dafür, dass dies nicht freiwillig geschehen ist.

Genau wie der Beinahe-Ehemann zieht man daher bald in Erwägung, dass die junge Frau – so unwahrscheinlich es anfangs schien - vielleicht doch „kalte Füße“ bekommen und vor der Eheschließung davongelaufen ist.

Denn dass jemand in das durch die als fehlerfrei geltende App und massive Fensterläden gut gesicherte Haus eingedrungen ist oder sie jemandem mitten in der Nacht die Tür geöffnet hat, ist so gut wie ausgeschlossen.

Andererseits passt dieses Verhalten überhaupt nicht zu Linda, die doch noch am Abend glaubhaft beteuert hat, dass sie sehr glücklich mit Hendrik ist und sich riesig auf die Hochzeit freut.

Es passt einfach alles nicht zusammen.

 

Erst als sich eine Unbekannte meldet, deren Ehemann unter ähnlichen

Umständen kürzlich verschwunden ist, bekommt alles eine andere Wendung. Kurios wird es, als sich später herausstellt, dass sich beide Opfer wohl ge-kannt haben, zusammen gesehen wurden und sich nun offensichtlich gemein-sam in Greetsiel aufhalten. Ist das ihr Liebesnest?

 

Durch weitere Hinweise, die Hendrik Zemmer von zum Teil suspekten Infor-manten bekommt, wird der Fall um seine Verlobte immer mysteriöser und undurchschaubarer. Er weiß nicht mehr, wem und was er trauen kann.

Für den Leser bedeutet das Spannung von Anfang bis Ende. Erst gegen Schluss werden die Fäden wieder entwirrt.

 

Allerdings hatte zumindest ich durch die aus Sicht der Opfer kursiv gedruckten Kapitel sehr früh eine sehr starke - und letztlich richtige - Vermutung, wer und was hinter den Entführungen steckt. Aber das hat der Spannung der Haupthandlung keinerlei Abbruch getan – ganz im Gegenteil: Ich habe nicht nur um die Opfer, sondern in so mancher Situation auch um den völlig ahnungslosen Hendrik Zemmer gebangt.

 

Die Spannung wird auch noch dadurch gesteigert, dass die Charaktere alle so angelegt sind, dass man sich stets fragt, ob jemand denn nun „zu den Guten“ oder „zu den Bösen“ gehört; in beide Richtungen kommen einem durch über-raschende Entwicklungen immer wieder Zweifel – sicher ist man bis zum Schluss bei niemandem!

 

Fazit: ein extrem spannender Psychothriller

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Ella (Mittwoch, 28 Februar 2024 10:00)

    Liebe Annette, auch ich fand das Buch extrem spannend und hab mich immer wieder gefragt, wie ist das alles möglich, wie lösen sich die ganzen Rätsel? Leider fand ich das an dem Punkt dann extrem unglaubwürdig und fühlte mich irgendwie betrogen. Wenn man Spannung auf diesem Niveau aufbaut, sollte man es auch bis zum Ende halten können. Schade!