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Elmar Traks

Elmar Traks

Boland, Shalini – Die andere Tochter (2024)

Psychothriller

 

Catriona hat gerade etwas Schlimmes erlebt und kann nicht alleine zu Hause bleiben. Daher fährt sie mit dem Auto in ein Einkaufszentrum. Nachdem sie sich dort erst einmal einen starken Kaffee besorgt hat, setzt sie sich an einen Tisch beim Spielplatz. Als sich zwei Mütter – offenbar Freundinnen - mit Kinderwagen nähern, fällt ihr ein niedliches ca. 3-jähriges Mädchen in deren Begleitung auf. Catriona ist hin und weg von der Kleinen, die Holly heißt, und den Spielplatz erkundet, während die beiden Mütter bei Kaffee und Gebäck in ein Gespräch vertieft sind.

Sie nimmt Kontakt zu dem aufgeweckten, recht zutraulichen Mädchen auf, und kann es überreden, sie kurz nach Hause zu begleiten, um ihr einen kleinen Hasen zu zeigen.

Doch sie bringt Holly nicht zu deren Mutter Rachel zurück. Das Mädchen wird nie gefunden, die Polizei stellt die Ermittlungen schließlich ein.

 

9 Jahre später: Rachel führt mit ihrem neuen Partner Matt, dem gemeinsamen Sohn Charlie (6) und Hollys jüngerer Schwester Jessica in dem Örtchen Wareham offenbar ein ruhiges, geregeltes Leben. Sie hat Matt nie etwas von der Entführung erzählt, sondern versucht, alleine mit Trauma klarzukommen.

 

Als sie eines Tages die Kinder von der Schule abholt, trifft sie dort die neu

in die Gegend gezogene Kate, die ebenfalls auf Sohn und Tochter wartet.

Wie sich herausstellt, sind sie im gleichen Alter wie Jessica und Charlie; ihre älteste Tochter Bella wartet bereits ungeduldig am Auto auf sie.

Bei deren Anblick ist Rachel geschockt, traut ihren Augen kaum: Sie ist sich aufgrund der überwältigenden Ähnlichkeit absolut sicher, dass es sich bei der Jugendlichen um die entführte Holly handelt.

 

Ihre Gefühle schwanken zwischen übergroßer Freude, dass sie endlich ihre Tochter wiedergefunden hat, und Angst, wie Matt, der von deren Existenz ja nichts weiß, darauf reagieren wird. Wird er ihr glauben?

Rachel ist fest entschlossen, zu beweisen, dass es sich bei Bella um die einst entführte Holly handelt.

 

Resümee: Die Handlung besteht aus dem Gegenwartsstrang, der Rachels aktuelles Leben schildert, wobei deren Bemühungen, Bellas Identität zu klären, im Vordergrund stehen. Dabei stoßen ihre Versuche, sich ihr und

den Eltern Kate und Shaun anzunähern, auf Widerstand, sodass Rachel ihre Anstrengungen intensivieren muss. Eine spannungsreiche Eskalationsspirale ist dadurch vorprogrammiert. Dies um so mehr, als auch das Misstrauen ihres Lebensgefährten in Bezug auf Rachels psychische Gesundheit wächst, was für sie eine zusätzliche mentale Belastung darstellt.

 

Eine Vergangenheitsebene erzählt die Ereignisse rund um Hollys Entführung und Catrionas weiteres Leben mit dem Mädchen – sie nennt es nun Grace - und ihrem Partner.

 

Als Leser ist man nicht nur gespannt, wie sich die Ereignisse auf beiden Ebenen entwickeln, sondern auch, wie diese zusammengeführt werden.

Das geschieht erst am Schluss durch einen ungeheuren Twist. Mit dieser Entwicklung habe ich überhaupt nicht gerechnet.

 

Trotz aller Spannung tritt mir die Handlung manchmal zu lange auf einer Stelle: In Rachels Reflexionen gibt es meines Erachtens zu viel Hin und Her, und trotzdem wirken dann einige ihrer Aktionen unüberlegt, somit vorherseh-bar nicht zielführend.

 

Nichtsdestotrotz kann ich sie mit ihrer inneren Zerrissenheit gut verstehen:

Sie gibt sich auch noch 9 Jahren noch die Schuld am Verlust ihrer kleinen Tochter: Hätte sie sie doch damals im Einkaufszentrum besser im Blick be-halten, während sie sich mit ihrer Freundin unterhielt. Diese nagende Schuld bestimmt nun ihr Handeln: Vielleicht kann sie sich von ihr endlich befreien, indem sie ihre Tochter zurückgewinnt.

Aber ist es überhaupt möglich, dass eine Mutter nach 9 Jahren felsenfest davon überzeugt ist, ihre Tochter vor sich zu haben? Kinder verändern sich

in dieser Zeit stark, die Erinnerung ist vielleicht getrübt. Rachel aber vertraut ihrem Mutterinstinkt, ist fest davon überzeugt, in Bella ihre Tochter Holly vor sich zu haben und entschlossen, mit allen Mitteln dafür zu kämpfen, sie zurückzubekommen.

Niemand jedoch glaubt ihr oder unterstützt sie. Im Gegenteil, sogar ihr Partner Matt hält sie zunehmend für psychisch labil. Hat er recht? Steigert sich Rachel in eine Wunschvorstellung hinein und dreht langsam durch? Er rät ihr drin-gend, sich bei einem Psychiater Hilfe zu holen.

 

Als Leser tendiert man mal zur einen (Rachels), mal zu anderen (Matts) Seite und ist gespannt, wie sich der Konflikt auflösen wird.

 

Fazit: trotz einiger Schwächen ein spannender Psychothriller

 

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