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Elmar Traks

Elmar Traks

Kuttner, Sarah – Mama & Sam (2025)

Roman

 

Sarah Kuttners Mutter (68) ist begeistert von der Fernsehserie „Outlander“ und verehrt den schottischen Hauptdarsteller Sam Heughan. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als sie im Internet Kontakt

zu ihm bekommt und er ihr immer öfter schmeichelnde Nachrichten schickt. Ihre emotionale Bindung zu ihm nimmt schnell zu und schließlich chatten sie nahezu täglich miteinander. Was die ältere Dame nicht weiß: Sie sitzt einem Love Scammer auf, der sich mehrere Fakeprofile mit dem Namen des Schau-spielers zugelegt hat.

Während Sarah Kuttners Mutter sich wirklich immer mehr in ihn verliebt, spielt er ihr seine Liebe nur äußerst glaubwürdig vor, hat aber immer wieder Ausre-den, wenn sie gelegentlich um einen Videocall oder ein aktuelles Selfie bittet.

Sobald er sicher ist, dass sie sich mit ihm eng verbunden fühlt, bittet er unter dem Vorwand einer Notlage immer wieder dringend um finanzielle oder geld-werte Unterstützung. Zuerst handelt es sich um kleinere Beträge, dann fordert er regelrecht immer größere. Die Gesamtsumme beläuft sich nach 8 Monaten auf insgesamt über 100.000 €.

Einwände lässt er nicht gelten, erpresst die Frau emotional, droht sogar mit Selbstmord, macht Versprechungen und redet von einer baldigen gemein-samen Zukunft.

Sie sieht zwar gelegentlich durchaus die Red Flags, lässt sich aber immer wieder von ihm einwickeln und gibt um ihrer großen Liebe willen jedes Mal nach. Sogar Kredite nimmt sie auf und kündigt ihre Lebensversicherung.

 

Als Sarah Kuttner und ihre Tante – die Schwester ihrer Mutter – durch-schauen, dass es sich bei dem vermeintlichen Sam Heughan um einen

Love Scammer handelt, der dessen Identität gestohlen hat, tun sie alles,

um die verliebte Dame darüber aufzuklären und zu warnen. Diese ist in

ihrem Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung jedoch rationalen Argumenten gegenüber nicht zugänglich, sondern bleibt beratungsresistent und bricht den Kontakt zu Tochter und Schwester schließlich ab.

 

Durch die Polizei müssen diese etliche Zeit später schließlich erfahren, dass die Mutter tot in der Wohnung gefunden wurde, nachdem sie dort bereits mehrere Wochen gelegen hatte - vermutlich an einem Herzinfarkt gestorben.

 

Sarah Kuttner bekommt Zugriff auf die Chat-Protokolle ihrer Mutter mit Sam und arbeitet deren toxische Fake-Romanze auf.

Aber nicht nur das: Sie erfährt dabei auch Dinge über sich und ihre Mutter, von denen sie bislang keine Ahnung hatte, die sie zum Teil schockieren und emotional stark beanspruchen.

 

Resümee: Dieser Roman schildert einen Fall von Love Scamming, den Sarah Kuttner in ihrer eigenen Familie hautnah mitbekommen hat.

Der Leser erlebt durch die abgedruckten original Chat-Nachrichten die Ent-wicklung der „Liebesbeziehung“ chronologisch mit. Parallel dazu erfährt man, wie die Tochter und Schwester der älteren Dame wegen des offensichtlichen Betrugs immer besorgter und angesichts ihrer Unbelehrbarkeit zunehmend verzweifelt werden.

Die Fronten sind schließlich so verhärtet, dass Kuttners Mutter den Kontakt zu ihrer Familie verweigert.

Sie setzt die Beziehung zu Sam bis zur physischen, emotionalen und finan-ziellen Erschöpfung fort.

 

Trotz aller inneren Aufgewühltheit moralisiert die Autorin keineswegs, sondern im Gegenteil spürt man fernab der rationalen Ebene menschlich sogar Ver-ständnis für das Opfer.

Dazu passt die meist nüchtern-sachliche Erzählweise der Autorin, die zum Teil sehr direkt ist, aber manchmal auch ins – für mich allzu  Flapsige abgleitet. Insgesamt hat mir der etwas eigenwillige Schreibstil nicht unbedingt gefallen.

 

Am Schluss gibt die Autorin Ratschläge, wie man sich aufgrund ihrer Erfah-rung gegenüber Opfern von Liebesbetrügern (auf keinen Fall) verhalten sollte und an wen man sich mit der Bitte um Hilfe wenden kann.

 

Noch eine abschließende Bemerkung:

Zu sagen: „Wie kann man nur auf einen Liebesbetrüger hereinfallen!“ wäre angesichts der raffinierten Manipulationsmethoden einerseits und der emo-tionalen Lage der Opfer andererseits absolut unangemessen.

Sarah Kuttners Mutter z.B. war keineswegs dumm oder naiv, hat an vielen Stellen sogar die Red Flags gesehen, sich aber in ihrem Bedürfnis nach menschlicher Nähe – und das auch noch von dem vermeintlich bekannten und von ihr verehrten Schauspieler ihrer Lieblingsfernsehserie – immer wieder emotional erpressen lassen.

 

Fazit: Dies ist mehr als ein Roman über einen Fall von Love Scamming,

sondern es geht auch um das elementare Bedürfnis nach Zuwendung

in jedem Lebensalter und um eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit (Donnerstag, 06 November 2025 16:32)

    Das scheint interessant zu sein.