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Elmar Traks

Elmar Traks

Bolton, Sharon – Das Böse nebenan (2025)

Thriller

 

Sankt Abel's Chapel ist ein kleiner, idyllischer Ort in Cumbria. Hier hat man einst in einem großen Gebäude 3 nebeneinander liegende separate Wohneinheiten errichtet: In der Mitte wohnt der Ich-Erzähler, rechts davon der ca. 40-jährige Feuerwehrmann Hugh Gardner,

der linke Teil hat nach dem Tod der Bewohnerin lange leer gestanden. Da die Trennwände lediglich aus Rigips-Platten bestehen, bekommt jeder das Leben seiner Nachbarn haarklein mit.  

Während der Ich-Erzähler 10 Tage abwesend war, ist links von ihm Anna Brown eingezogen, die dort mit einer Bäckerei einen Neuanfang wagen will.

 

Als er am Morgen nach seiner Rückkehr gerade seinen Antrittsbesuch bei ihr macht, tauchen 2 Frauen mit der fast 16 Jahre alten Constance auf, für deren Geburtstag sie eine Torte bestellen wollen. Das Mädchen wirkt seltsam, hat augenscheinlich versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden, flüchtet plötz-lich Hals über Kopf aus dem Laden, bittet Anna aber später verzweifelt um Hilfe.

 

Diese beginnt, Recherchen anzustellen und wird dabei vom Erzähler unter-stützt.

In diesem Zusammenhang bekommen sie es auch mit den Teilnehmern einer kirchlichen Veranstaltung zu tun, die wie jedes Jahr zu dieser Zeit in Sankt Abel's Chapel stattfindet.

Sie finden heraus, dass in den letzten Jahren drei 16-jährige Mädchen spurlos verschwunden sind. Eigenartigerweise scheinen viele darüber Bescheid zu wissen, jedoch will niemand darüber reden. Hat auch Constance davon er-fahren und deshalb möglicherweise panische Angst, das nächste Opfer zu werden?

 

Die Nachforschungen nehmen eine dramatische Wende, als plötzlich Connor bei Anna auftaucht: In Sorge um seine Freundin Constance ist er nach Sankt Abel's Chapel getrampt, nicht ahnend, in was für eine Gefahr er sich begibt.

Anna will nicht nur den beiden Teenagern helfen, sondern auch herausfinden, was es mit den spurlos Verschwundenen auf sich hat. Doch statt von den Dorfbewohnern und Kirchenleuten Hilfe zu bekommen, scheinen alle verhin-dern zu wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

 

Resümee: Gleich zu Beginn der Handlung wird Spannung erzeugt:

Als der Ich-Erzähler – bis zum ca. letzten Viertel des Buches ist unklar, ob

es sich um einen Mann oder eine Frau handelt – nach einem 10-tägigen Krankenhausaufenthalt nach Hause zurückgekehrt ist, bekommt er mit, wie sich seine neue Nachbarin dem Hausbewohner zur Rechten vorstellt. Durch die Art, wie sie ihren Namen nennt, ist ihm sofort klar, dass dies nicht ihre wahre Identität sein kann, dass sie etwas verbirgt und sich in dem Örtchen womöglich verstecken will.

Auf diese Weise wird auch der Leser neugierig.

 

Mehr noch: Auch der Ich-Erzähler scheint nicht ganz „koscher“ zu sein. Warum triumphiert er innerlich, als er seine Vermutung in Bezug auf Anna durch ihre Reaktionen auf kleine Provokationen immer wieder bestätigt be-kommt? Es scheint mehr dahinter zu stecken als die bloße Freude, offenbar mit seinem Verdacht richtig zu liegen. Warum betont er, dass Geheimnisse sein „Ding“ seien? Und warum beobachtet er sie so genau und ist bemüht, jede ihrer Aktivitäten durch die dünnen Wände mitzubekommen?

Auch im Folgenden löst sein Verhalten ihr gegenüber gemischte Gefühle aus:

Er gibt sich hilfsbereit, scheint dabei aber irgendwie auch eigene Interessen zu verfolgen. Man spürt immer, dass irgendetwas Bedrohliches im Hinter-grund quasi mitläuft, was man jedoch (noch) nicht greifen kann.

 

Die Spannung nimmt stetig zu, wobei sich immer mehr Fragen auftun:

Um was für eine jährlich stattfindende Kirchenversammlung handelt es sich? Warum sind Besuche Außenstehender ausdrücklich nicht erwünscht, werden gegebenenfalls sogar mit Gewalt verhindert?

Was hat es mit dem spurlosen Verschwinden der drei 16-jährigen Teenage-rinnen auf sich, über das man sich im Ort und in der Glaubensgemeinschaft ausschweigt?

Es sieht so aus, als ob Constance und ihr um sie besorgter Freund Connor in Gefahr schweben. Warum?

Und welche Rolle spielt der dritte Bewohner der Häuserzeile, Hugh Gardner? Auch sein Verhalten wirft immer wieder Fragen auf.

Last but not least: Wird sich der Verdacht des Erzählers bestätigen, dass Anna Brown nicht die ist, für die sie sich ausgibt? Ich hatte hier sehr früh eine Vermutung, die sich aber nicht bestätigte – die Autorin führt den Leser sehr geschickt auf eine falsche Fährte.

 

Als nicht nur die wahre Identität Annas, sondern nach ca. ¾ des Buches auch die des Ich-Erzählers preisgegeben werden, bedeutet dies für den Fortgang der Handlung noch einmal eine Steigerung der Dramatik, die ihren Höhepunkt am Schluss erreicht.

 

Ein paralleler Handlungsstrang beginnt 1 ½ Jahre zuvor: Der Heranwach-sende Jago befindet sich in psychiatrischer Behandlung, nachdem er in der Cafeteria seiner exklusiven Privatschule randaliert und einer Lehrerin ein Messer in den Bauch gerammt hat. Nur 3 Monate vor dem Abitur sollte er daraufhin der Schule verwiesen werden. Seine wohlhabenden Eltern erhoffen sich durch die Therapie und eine medikamentöse Behandlung, dass Jago wieder an die Schule zurückkehren und dort sein Abitur machen kann.

 

Dieser Handlungsstrang scheint zunächst einmal nichts mit den Ereignissen in Sankt Abel's Chapel zu tun zu haben – aber weit gefehlt, wie sich gegen Ende immer mehr herauskristallisiert.

 

Fazit: ein spannender Thriller mit vielen überraschenden Entwicklungen

 

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