Ostfrieslandkrimi
Faber und Waatstedt ermitteln, Band 20
Die Abiturienten Jule Carstens und Roman Monnsen müssen alles tun, um ihre Liebesbeziehung geheim zu halten. Denn seit ewigen Zeiten sind ihre beiden Familien miteinander verfeindet und brechen bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen erbitterten, zum Teil recht handfesten Streit vom Zaun. Würden sie von Jule und Roman erfahren, gäbe es mit Sicherheit Mord und Totschlag. Daher treffen beide sich immer heimlich in einer alten Ziegelei. Doch wenn sie in 2 Wochen auch ihre mündlichen Prüfungen geschafft haben, wollen sie wegziehen und gemeinsam ein neues Leben beginnen. Aber es kommt anders.
Doktor Philipp Schorlau, Chef der Kriminalforensik in Oldenburg, und Haupt-kommissar Richard Faber von der Kripo Emden haben gerade bei scheuß-lichstem ostfriesischen Matschwetter einen Einsatz auf dem Deich beendet, in dem es um das wahllose Töten von Schafen des Bauern Carstens gegangen ist, als Fabers Handy klingelt:
Seine Ehefrau und Kollegin Rike Waatstedt teilt ihm mit, dass 2 Leichen in der Alten Ziegelei vor Pilsum gefunden worden sind, und sie sofort dorthin fahren sollen.
Bei ihrem Eintreffen bietet sich Faber und Schorlau folgendes Bild: Ein junger Mann und eine gleichaltrige Frau liegen dort auf dem Rücken, halten sich an den Händen, die friedlich aussehenden Gesichter sind einander zugewandt. Beide haben an fast der gleichen Stelle eine Stichwunde im Oberbauch. Die Szenerie mutet wie die Sterbeszene aus Shakespeares „Romeo und Julia“ an. Die Namen der Toten: Jule Carstens und Roman Monnsen.
Die Ermittler rätseln: Handelt es sich hier um einen Mord, Selbstmord, Mit-nahmesuizid? Sind ihre Vornamen nicht nur eine zufällige Namensähnlichkeit, sondern hat sich in Ostfriesland eine „Romeo-und-Julia-Geschichte“ abge-spielt?
Die Tragödie von William Shakespeare handelt von 2 Liebenden, die aus ver-feindeten Familien stammen. Die Mitglieder der Familie Montague, aus der Romeo stammt, und der Familie Capulet, der Julia angehört, liefern sich bei jedem Zusammentreffen zum Teil äußerst blutige Scharmützel. Daher darf niemand etwas von der Beziehung des Paares erfahren.
Heimlich lassen sich Romeo und Julia trauen. Doch die Hoffnung des Pfar-rers, dass dies ein erster Schritt zur Versöhnung der beiden Familien sein könnte, erfüllt sich nicht. Im Gegenteil: Es kommt zu einem Kampf, als Romeo auf der Straße einen Cousin seiner frisch Angetrauten trifft, der dabei sein Leben verliert. Romeo wird daraufhin aus seiner Heimatstadt Verona verbannt und flieht nach Mantua.
Julias Eltern, die nichts von der heimlichen Heirat wissen, wollen sie zur Eheschließung mit einem anderen Mann zwingen. Der Pfarrer, den die verzweifelte Tochter um Hilfe bittet, braut einen Trank für sie, der sie in
einen komatösen, ihren Tod vortäuschenden Zustand versetzt.
Statt die Ehe einzugehen, muss die Totgeglaubte nun begraben werden. Vor-her hat sie Romeo in einem Brief über diese List eingeweiht, doch aufgrund unglücklicher Umstände erreicht das Schreiben ihn nicht. Als er durch einen Freund vom vermeintlichen Tod seiner Frau erfährt, eilt er unverzüglich nach Verona zu der Familiengruft, um sie noch einmal zu sehen.
Der verzweifelte Mann legt sich neben sie, nimmt Gift, das er vorher bereits besorgt hat, und stirbt an ihrer Seite. Doch Julia wacht irgendwann auf, sieht den toten Romeo und ersticht sich mit seinem Dolch.
Beider Eltern erfahren nun von der Liebesbeziehung ihrer Kinder und ver-söhnen sich an deren Grab.
Resümee: Das Romeo-und-Julia-Thema durchzieht den ganzen Krimi – angefangen bei der Namensähnlichkeit Romeo & Julia versus Roman & Jule bis hin zu Eckdaten deren Beziehung sowie Familien betreffend:
Wie die Montagues und Capulets in Shakespeares Tragödie sind auch die Carstens' und Monnsens in diesem Ostfrieslandkrimi Erzfeinde, die sich bei jeder Gelegenheit heftige und nicht selten blutige Auseinandersetzungen liefern.
Daher darf in beiden Geschichten niemand etwas von der Liebesbeziehung der jeweiligen Kinder erfahren. Im Gegenteil: Für Julia ist bereits ein anderer Partner vorgesehen, ebenso für Jule und Roman, die heimlich ihre gemein-same Zukunft außerhalb Ostfrieslands planen.
Doch beide Paare sterben, die Toten werden nebeneinander liegend aufge-funden, aber im Gegensatz zu „Romeo und Julia“ nähert sich das Drama in Elke Nansens Krimi damit nicht seinem Ende, sondern das Geschehene wird durch die Ermittlungen jetzt quasi von hinten aufgerollt.
Im Zentrum stehen dabei die Fragen: Welches war das Motiv für den Tod der Liebenden und – damit zusammenhängend – welche die Todesart liegt vor?
Ist jemand aus den Familien trotz aller Vorsicht hinter ihre Beziehung ge-kommen und hat beide ermordet?
Waren Jule und Roman trotz ihrer optimistischen Zukunftspläne aus irgend-einem Grund doch verzweifelt und haben Selbstmord begangen oder handelt es sich um einen Mitnahmesuizid?
Oder liegen ein Unfall und / oder tödliches Versehen vor?
Ein verzwickter Fall für das Team der Kripo Emden um Richard Faber und Rike Waatstedt, in den erst der Fund zweier identischer kleiner Schlüssel ein erstes Licht bringt.
Doch bis zur Aufklärung gibt es viele verschiedene Fährten und Verdächtige, immer wieder neue Entwicklungen und überraschende Wendungen.
Natürlich spekuliert man auch als Leser mit, warum Jule und Roman sterben mussten, welche Anhaltspunkte die familiären Strukturen und freundschaft-lich-partnerschaftlichen Beziehungen liefern. Irgendwann machte sich bei mir eine vage Ahnung breit, die sich dann auch bestätigte! Aber das tat der Spannung keinen Abbruch.
Fazit: Romeo und Julia in Ostfriesland hat mir prima gefallen, obwohl es mir
anfangs etwas Mühe bereitete, die Angehörigen der beiden Familien auseinanderzuhalten..
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