Knudsen / La Lotse-Serie, Band 4
Kriminalroman
Der Obdachlose Bulgare Bojan Kolev hat sich seinen Schlafplatz in einer geschützten Mauernische beim „Genussspeicher“ in der Hamburger Speicherstadt zurechtgemacht. Nach ½ Flasche Korn dämmert er gerade weg, als er durch das Zuschlagen einer Autotür aufgeschreckt wird. Ein Mann kommt auf ihn zu, spricht ihn kurz an und erschießt Bojan dann.
Die Kommissare Thies Knudsen und Dörte Eichhorn vom LKH Hamburg übernehmen nach einem anonymen Anruf bezüglich des Leichenfundes die Ermittlungen und stehen erst einmal vor einem Rätsel: Wer bringt einen hilf-losen Obdachlosen mit einem Bolzenschussgerät – einem Schlachtschuss-automaten also - um?
Bei dem Toten findet man einen Zettel mit der Aufschrift „In Hamburg sagt man Tschüss! Lieblingsleiche Nr. 1“, ansonsten gibt es keine Spuren.
Es ist zu befürchten, dass weitere Leichen folgen, also muss schnell gehan-delt werden.
Doch wo ist der Killer zu suchen? Was will er mit dem Wort „Lieblingsleichen“ ausdrücken?
Sollen die Anschläge einer bestimmten Personengruppe oder gezielt einzel-nen Menschen gelten?
Am nächsten Morgen findet eine Reinigungskraft eine kleine Kunststoff-
Figur im Miniatur Wunderland: Sie liegt vor der Nachbildung des Hamburger „Genussspeicher“ und zeigt exakt den ermordeten Bojan Kolev mit einer Flasche in der Hand und Blut am Kopf.
Bevor die Kommissare mit ihren Ermittlungen einen Erfolg erzielen können, gibt es weitere Morde und wieder sind sie im Miniatur Wunderland durch ent-sprechende Figuren an den Leichenfundorten angekündigt worden. Immer mit dem Hinweis: „Lieblingsleiche Nr. ...“ und einem Spruch.
Der pensionierte Kapitän und Thies Knudsens Freund Oke Andersen – genannt La Lotse – sitzt derweil in seinem Övelgönner Häuschen in seinem Lesesessel und sinniert: Seine Tochter Maria, die in Berlin Psychologie stu-diert, und sein Ziehsohn Morf Pörksen, der auf der Flucht vor Verbrechern auf Föhr untergetaucht ist, haben sich angekündigt. So sehr er sich freut, macht er sich doch auch ein wenig Sorgen um seine Kinder.
Unversehens wird La Lotse dann in die polizeilichen Ermittlungen mit einge-bunden und ist schließlich auf dramatische Weise selbst betroffen.
Resümee: Die spannende Handlung thematisiert authentisch aktuelle gesell-schaftliche und politisch brisante Themen: Obdachlosigkeit in einer Großstadt wie Hamburg und die rechte Szene.
Originell ist dabei die Idee, die Morde an den Wohnungslosen vorab im Minia-tur Wunderland anzukündigen: Die Täter haben die Opfer beobachtet, foto-grafiert und einem Bastler den Auftrag erteilt, sie als ca. 3 cm große Figuren originalgetreu nachzuarbeiten. Ein Mittelsmann platziert sie dann an den Fund- bzw. Tatorten im Wunderland.
Den Ermittlern ist durch die den Ermordeten beigelegten Zettel mit zynischen Nachrichten schnell klar, dass sie es nicht nur mit einem Serienkiller oder einer Gruppe, sondern auch mit einem gesellschaftlichen Phänomen zu tun haben – Rechtsradikale wollen ihrer Vermutung nach die Stadt „reinigen“. Doch wo sollen sie ansetzen? Noch wissen sie nicht, dass es eine Zeugin für die 2. Tat gibt.
Daraus konsequent folgend ist der Schreibstil überwiegend sachlich-ernst, jedoch immer wieder durchzogen von trockenem, norddeutschem Humor.
Die Handlung würde sich meines Erachtens auch gut zum Verfilmen eignen: Jede einzelne Szene ist präzise beschrieben, die Handlung ohne viele Schnörkel klar umrissen, die Charaktere scharf konturiert.
Fazit: Dieses Buch bietet Krimispannung, verbunden mit
gesellschaftlich relevanter Reflexion.
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