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Elmar Traks

Elmar Traks

Lind, Hera – Im Namen der Barmherzigkeit (2024)

Roman nach einer wahren Geschichte

 

Im Juni 1972 bringt eine Frau in einem Wiener Hospital ihr

7. Kind zur Welt. Sie will das Mädchen nicht sehen, geschweige denn stillen, sondern hat schon vorab mit dem Jugendamt vereinbart, dass

es gleich nach der Geburt von der Fürsorge übernommen wird. Auch Karin Winkler, engagierte angehende Ärztin im Praktikum, die auf Sicht Psychiaterin werden will, kann die Frau nicht zu einer Sinnesänderung bewegen. Nicht ein-mal einen Namen will diese der Kleinen geben, stimmt aber dem Vorschlag Karin Winklers zu, sie Steffi zu nennen.

Drei Jahre später kommt das Mädchen zu der steirischen Bauernfamilie Kellerknecht, die jedes Mal nach der Geburt eines eigenen Kindes ein Pflege-kind aufnimmt – Steffi ist bereits das dritte.

Für diese Barmherzigkeit preist der Pfarrer die Kellerknechts von der Kanzel herab als glühendes Vorbild an Nächstenliebe, an dem sich alle ein Beispiel nehmen sollten.

 

Doch die aufgenommenen Kinder haben neben dem Einstreichen des Pflege-geldes nur einen Zweck: Unter menschenunwürdigen Bedingungen müssen sie im Haushalt und auf dem Hof schuften, sich ihr Essen und die karge Unterkunft in einer Dachkammer verdienen. Ungehorsam und sogar Miss-geschicke werden hart bestraft, Verletzungen – wenn denn überhaupt mal ein Arzt eingeschaltet werden muss – als kleine Unfälle oder Ungeschicklichkeit dargestellt.

Anderen gegenüber, seien es Behördenmitarbeiter oder Gemeindemitglieder, geben die Kellerknechts aber stets das Bild liebevoller, fürsorglicher Eltern ab.

 

Ab ihrem 9. Lebensjahr wird Steffi von dem Bauern regelmäßig schwer sexu-ell missbraucht.

Mit 15 verliebt sie sich - naiv und gutgläubig wie sie ist - in einen attraktiven Bankangestellten, der sie mit Schmeicheleien sowie einer gewissen Welt-gewandtheit und Lebenserfahrung beeindruckt.

Er jedoch hat es nur darauf angelegt, ihr erster Sexpartner zu sein und lässt sie sofort fallen, als er merkt, dass sie nicht mehr Jungfrau ist.

 

Doch Steffi ist von diesem einmaligen Intimkontakt mit ihm schwanger gewor-den.

Sie möchte das Kind unbedingt bekommen und findet in einem Kloster liebe-volle Betreuung. Als ihr Baby, ein Mädchen, zur Welt kommt, ist sie selig. Auf den Bauernhof der Familie Kellerknecht geht sie nicht zurück, im Kloster kann sie aber auch nicht für immer bleiben, und das Jugendamt will ihr das Kind wegnehmen.

 

Für Steffi beginnt ein harter Weg als junge, arbeitslose Mutter ohne Einkom-men und ein Dach über dem Kopf. Doch sie kämpft unermüdlich für sich und ihr Kind, das ihrem Leben einen Sinn gibt.

Irgendwann bricht sie jedoch zusammen und wird in die Psychiatrie eingelie-fert, wo sie wieder auf die Ärztin Karin Winkler trifft, die sie als Neugeborene in den Armen gehalten hat – ein Glücksfall, aus dem viele Jahre später eine tiefe Freundschaft entsteht.

 

Resümee: Karin Winkler ist es auch, die Steffi versprochen hat, aus ihrer Lebensgeschichte ein Buch zu machen und sich mit diesem Anliegen an

Hera Lind gewandt hat. Die Autorin ist nach Gesprächen mit ihr und Steffi der Ansicht, dass das Thema „sexueller Missbrauch“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte.

Dieser hat Steffis Kindheit vom 9. bis 15. Lebensjahr traumatisierend geprägt und entscheidenden Einfluss auf ihr späteres Leben gehabt.

Aber die Handlung dreht sich auch um anderen Missbrauch, nämlich das Aus-nutzen der aufgenommenen Kinder als Arbeitskräfte unter menschenunwürdigsten Bedingungen – alles unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit bei gleichzeitigem Abkassieren des monatlichen Pflegegeldes vom Jugendamt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist Steffis frühe Mutterschaft, die ihr Antrieb war, jede Depression, jedes Unglück, jeden Rückschlag zu bewältigen und nicht aufzugeben.

 

Hera Lind ist es gelungen, trotz aller schrecklichen Erlebnisse immer wieder auch Lichtblicke zu schildern und damit für eine gewisse Ausgewogenheit zu sorgen.

 

Fazit: Steffis Lebensgeschichte ist ebenso schockierend wie

   emotional berührend und spannend.

 

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