Roman
Franziska Roth (jetzt Anfang 50) hatte sich schon als Jugendliche für den Naturschutz engagiert, während ihr Vater Heinrich Vermessungsingenieur und ein technikgläubiger Mensch war. Während er sich an der Planung von Straßen durch Landschaftsgebiete beteiligte, demonstrierten seine Tochter und ihre gleichgesinnten Freunde dagegen. Es kam zum Zerwürfnis, Franziska zog früh aus ihrem Elternhaus aus und kehrte nicht wieder zurück.
In einen Ashram lebte sie mit Freunden für ihre Ideale, praktizierte Yoga, Meditation und führte ein umweltbewusstes Leben. Ihr Vater hingegen konnte mit dem „Hokuspokus“ nichts anfangen.
Franziskas Schwester Monika wurde Ingenieurin, blieb im gleichen Ort, gründete eine Familie und kümmerte sich nach dem Tod der Mutter um ihren Vater.
Nun macht ihm eine Polyneuropathie schwer zu schaffen. Die Treppen in
den oberen Stock seines Hauses, wo sich Schlaf- und Badezimmer befinden, kommt er nicht mehr hinauf, verweigert jedoch sowohl einen Treppenlift als auch Umbaumaßnahmen. Das gleiche gilt für einen Kuraufenthalt, den Monika bereits für ihn arrangiert hatte.
Für sie sind die Belastungen zu groß geworden; sie muss aktuell wegen
eines Burnouts in einer Klinik behandelt werden – offiziell heißt es, sie sei
im Urlaub.
Geplant ist, dass Franziska in ihr Elternhaus zurückkehrt, um für 3 Wochen die Pflege des Vaters zu übernehmen. Sie ist optimistisch, dass sie die Zeit auch dann überstehen wird, wenn er ihr weiterhin grollt und sich weigert, mit ihr zu reden.
Während ihres Aufenthalts erinnert sie sich nicht nur an die vielen Konflikte, sondern immer häufiger auch an schöne gemeinsame Erlebnisse während ihrer Kindheit.
Auch aus dem Leben des Vaters wird in Rückblenden vieles erzählt.
Am Schluss erkennt man, dass sowohl Franziska mit ihrem Lebenstraum
als auch der Vater mit seinen Vorstellungen und Idealen gescheitert sind.
Resümee: In den 5 Kapiteln (Kommen – Gehen – Sterben – Leben – Bleiben) wird der schwierige Weg von Franziska und ihrem Vater zur Versöhnung ge-schildert.
Um die Gründe, die einst zum Zerwürfnis geführt hatten, zu verstehen, muss man in die Vergangenheit der Protagonisten eintauchen, die man durch Rück-blenden erfährt:
Franziskas Mutter stammt aus Ostpreußen, hat früh ihre Eltern verloren und trägt Kriegstraumata in sich, die das Familienleben überschattet haben.
Was ihre Eltern anbelangt, steht jedoch Franziskas Vaters im Mittelpunkt des Romans. Er ist zu Beginn der Handlung bereits verwitwet:
1933 geboren und von seiner Mutter allein erzogen, glaubt er, eine Belastung für sie gewesen zu sein, die sich emotional stets distanziert gab.
Während des Kriegs kam er im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Polen, hat jedoch viele schlimme Erinnerungen an diese Zeit, die sein Bedürf-nis nach Ordnung und Kontrolle geprägt haben.
Auch die Kriegswirren hat er mehr schlecht als recht überstanden.
Er ist stolz, sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet zu haben, so-dass er seiner Familie als Gegenentwurf zu seiner eigenen Biografie ein gutes, stabiles Leben bieten kann.
Neben seinem Bedürfnis nach Kontrolle, sind Korrektheit, das Einhalten von Regeln und Selbstständigkeit seine Ideale.
Dass er nun im Alter krankheitsbedingt auf Hilfe angewiesen ist, kann er nicht verkraften. Er fällt ihm schwer loszulassen, Verantwortung und Kontrolle abzu-geben.
Franziska kam es im Gegensatz dazu nie auf hervorragende Leistungen an. Sie setzte sich von frühester Jugend an für das Erhalten der Natur ein, de-monstrierte gegen ihre Zerstörung z.B. durch den Bau von Straßen, an denen ihr Vater beteiligt war. Später lebte sie in einem Ashram. Ihr, der Rebellin, fällt es schwer, sich an Regeln der sogenannten bürgerlichen Gesellschaft zu halten.
Die Konflikte zwischen Vater und Tochter, die grundsätzlich konträre Werte vertraten, waren unüberbrückbar.
Anders verhielt es sich mit ihrer Schwester Monika: Sie blieb im Ort, heiratete, gründete eine Familie. promovierte und arbeitet als erfolgreiche Ingenieurin. Kurz: Im Gegensatz zu ihrer Schwester hat sie die Erwartungen der Familie erfüllt.
Sie ist es bislang auch gewesen, die sich um den immer schwächer werden-den Vater gekümmert hat. Jetzt jedoch braucht sie eine Auszeit, sodass ihre Schwester zurückkommen und einspringen muss.
Als Franziska und der Vater nun nach Jahrzehnten das erste Mal wieder auf-einandertreffen, ist der Umgang miteinander schwierig. Die Distanz scheint nach wie vor unüberbrückbar, alte Konflikte drohen wieder aufzubrechen.
Sie nähern sich im Laufe der Zeit aber immer mehr einander an, sodass Franziska schließlich nicht nur für die ursprünglich geplanten 3 Wochen, sondern „Für diesen Sommer“ bleibt – zumal Monika länger ausfällt.
Sehr einfühlsam und mit Empathie für alle Protagonisten lässt Gisa Klönne den Leser an den einzelnen Phasen der Versöhnung teilhaben, wobei sie immer wieder die Perspektiven von Tochter und Vater wechselt.
Der Erzählstil ist stets ruhig, vereinzelt ein wenig langatmig, aber in jeder Phase – seien es Kriegs-, Kindheitserinnerungen, Lebensentwürfe und -stile u.a. - berührend und authentisch.
Fazit: Trotz des Titels ist dies kein leichter Sommerroman, sondern einer,
der den Leser immer wieder innehalten und das Gelesene reflektieren lässt.
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