Kriminalroman
Ein Fall für Lea Nielsen, Band 1
Lea Nielsen hat nach dem ersten juristischen Staatsexamen zur Polizeihochschule gewechselt, wo sie eine verkürzte Aus-bildung absolvieren durfte, die sie mit Bestnoten abschloss. Danach hat sie
im LKA Hannover gearbeitet, ist nach 3 Jahren bereits Oberkommissarin und könnte mit 29 Jahren die jüngste Hauptkommissarin Niedersachsens werden. Doch sie hat sich entschlossen, das LKA zu verlassen und eine Stelle im ost-friesischen Wittmund angenommen, wo sie sich auch um ihren demenz-kranken Vater kümmern kann.
Heute ist ihr erster Tag auf dem neuen Polizeirevier, und auf der Fahrt dorthin fragt sie sich immer wieder, ob ihre Entscheidung richtig gewesen ist. Doch sie spricht sich Mut zu und ist entschlossen, sich der neuen Situation zu stellen.
Der Empfang durch Kommissariatsleiter Robert Petersen ist recht formal und kühl. Er setzt sie gleich darüber in Kenntnis, dass sich auf ihre Stelle auch ein sehr beliebter Kollege und erstklassiger Ermittler aus seinem Team beworben hat, aber gegen ihre Vita keine Chance hatte. Darüber seien viele Mitarbeiter enttäuscht, sodass Lea es nicht leicht haben werde.
Während des Gesprächs bekommt ihr Chef einen Anruf des Staatsanwalts, der ihm mitteilt, dass die 19-jährige Maya van Berg seit 2 Tagen vermisst wird. Deren Mutter, eine bekannte Life-Coachin, ist davon überzeugt, dass Maya etwas zugestoßen ist, da ihr Auto fehlt und sie entgegen ihrer Gewohnheit auf dem Handy nicht erreichbar ist.
Robert Petersen und Lea Nielsen machen sich sofort auf den Weg zu der Familie, wobei der Kommissariatsleiter davon ausgeht, dass die Jugendliche sich lediglich eine „Auszeit“ genommen hat, um das Leben zu genießen und in ein paar Tagen wieder auftauchen werde. Eine größere Suchaktion hält er für Zeitverschwendung. Er gesteht Lea jedoch zu, ein paar Nachforschungen anzustellen, vor allem, um den Staatsanwalt zufriedenzustellen, mit dessen Frau Mayas Mutter befreundet ist.
Ausgerechnet mit Lars Cramer, dem Kollegen, der sich ebenfalls auf ihre Stelle beworben hatte, muss sie die Ermittlungen aufnehmen. Aber nicht nur deshalb entwickelt sich der Fall zu einer großen Herausforderung.
Resümee: Die erste Hälfte des Buches ist sehr spannend: Man erfährt wesentliche Details aus dem Leben der vermissten Maya sowie ihrer Eltern und spürt sofort, dass in dieser Familie einiges nicht stimmt. Auch die Aus-sagen der Personen, mit denen die junge Frau in Vergangenheit und Gegen-wart Kontakt hatte, lassen vermuten, dass sie vor ihrem Verschwinden in Schwierigkeiten steckte. Weitere Ermittlungsergebnisse unterstützen diesen Ansatz.
Dann jedoch gibt es eine sehr überraschende Wende in dem Fall … aber statt dadurch noch einen Kick nach oben zu bekommen, flacht der Spannungs-bogen rapide ab.
Das liegt zum einen daran, dass die Ermittlungen nicht mehr wie bisher „straight forward“ erfolgen, sondern ohne klare Linie zu stark hin und her eiern. Das wirkt etwas ermüdend.
Parallel dazu nehmen die beiden Handlungsstränge in Bezug auf Leas Vater und das aufkeimende Liebesverhältnis zu ihrem Bootsnachbarn Jan recht viel Raum ein.
Dass das Geschehen aus der Sicht von Lea Nielsen in der Ich-Form erzählt wird, finde ich interessant, weil man dadurch ihre Gedankenwelt und ihren subjektiven Blick auf das Geschehen erfährt.
Gestört haben mich hingegen die häufigen Wiederholungen von Phrasen;
und das ständige Erwähnen, dass Lea Nielsen in ihren Skoda Octavia steigt, nervte regelrecht („Auto“ hätte zur Abwechslung auch mal gereicht).
Kleines Schmankerl am Rande: Zu meiner Überraschung und Freude spielen ein paar Seiten in meiner spanischen Wohngegend – nämlich in Torrox Costa und Málaga.
Fazit: Ich werde dem 2. Band der Reihe noch eine Chance geben.
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