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Elmar Traks

Elmar Traks

Johannsen, Anna – Der tiefe Grund (2026)

Kriminalroman

Ein Fall für Lea Nielsen, Band 2

 

Oberkommissarin Lea Nielsen (29) hadert immer noch damit, dass sie das LKA in Hannover verlassen und die Stelle als stell-vertretende Kommissariatsleiterin im ostfriesischen Wittmund angenommen hat, um sich um ihren demenzkranken Vater kümmern zu können. Das Ver-hältnis zu ihren Kollegen hat sich seit ihrem 1. großen Fall vor 2 Monaten zwar gebessert, aber richtig akzeptiert fühlt sie sich nicht. Jetzt steht sie vor der nächsten Herausforderung:

Die 25-jährige Lisa Uhlen ist morgens mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit, als sie auf der Landstraße bei Westerstede von einem Auto ange-fahren wird. Der Verursacher begeht Fahrerflucht. Obwohl Ärzte alles tun,

um das Leben der jungen Frau zu retten, stirbt sie.

 

Die Spurenlage wirft Fragen nach der Unfallursache auf: Der Pkw muss von der schnurgeraden Straße abgekommen sein und die Radlerin mit großer Geschwindigkeit von hinten erfasst haben. Bremsspuren fehlen. Hatte der Fahrer einen Sekundenschlaf oder das Auto einen technischen Defekt?

 

Trotz der ihnen seltsam erscheinenden Umstände müssen die Ermittler erst einmal von einem „normalen“ Unfall mit Fahrerflucht ausgehen und alles da-ran setzen, den Fahrer zu finden, dem ein Unfall mit Todesfolge sowie Unfall-flucht und unterlassene Hilfeleistung zur Last gelegt werden.

 

Da sich das Geschehen an der Grenze zum Auricher Stadtgebiet ereignet hat, arbeitet Lea Nielsen wie schon in ihrem vorangegangenen Fall mit der dorti-gen Kollegin Julia Reinders zusammen.

Die am Unfallort gefundenen Spuren bringen die Ermittlungen nicht voran, und die Ergebnisse der Analyse von Lackpartikeln, Reifenprofil und einer Scheinwerferabdeckung steht noch aus. Doch je mehr Lea Nielsen über den Fall nachdenkt, desto stärker ist sie der Überzeugung, dass sie es mit einem gezielten Tötungsdelikt zu tun haben.

 

Doch wer sollte der völlig unbescholtenen Angestellten Lisa Uhlen nach dem Leben getrachtet haben?

Eine erste Erfolg versprechende Wende nehmen die Ermittlungen mit der Feststellung, dass das Tatauto gestohlen wurde.

Aber bis zur endgültigen Klärung ist es noch ein weiter, steiniger Weg mit et-lichen Irrungen und Wirrungen, zum Teil gegen die Widerstände von Vorge-ordneten und Staatsanwalt.

 

Resümee: Nachdem ich vom 1. Band dieser Reihe um Oberkommissarin

Lea Nielsen nur mäßig begeistert gewesen bin, wollte ich dem 2. noch eine Chance geben. Schade, aber dieser floppt total:

Spannung kommt gar nicht erst auf. Wie denn auch: Wenn ein Krimi mit einem Unfall mit Fahrerflucht startet, in dessen Folge das Opfer stirbt, ist es auf Grund der Gattung eigentlich schon per se klar, dass daraus eine Mord-ermittlung wird. Da muss der Leser also nicht erst gespannt die Luft anhalten bis zur Klärung, ob es sich um einen „normalen“ Unfall oder vorsätzliche Tötung handelt.

Die Kommissare tun zunächst das Naheliegende: Sie klappern die Werkstät-ten im Umkreis ab – natürlich erfolglos, denn dann wäre das Buch ja schnell zu Ende. Die Reihe ließe sich mit Seiten füllenden, aber nicht zum Ziel führen-den Aktionen fortsetzen. Spannend ist diese Vorhersehbarkeit nicht.

 

Jeder Krimileser hingegen weiß, dass ein A und O bei Verbrechensermitt-lungen das Sicherstellen von Handys und Computern der Beteiligten sowie das Auswerten der darauf enthaltenen Daten ist. Der tollen Ex-LKA-Beamtin hingegen fällt dies in Bezug auf das Opfer erst nach geraumer Zeit ein. Zu-mindest ärgert sie sich über diese Unterlassung.

 

Was sich im 1. Werk der Reihe schon andeutete, wird hier bis hin zur Nervig-keit noch weiter ausgebaut: Lea Nielsen lässt immer wieder durchblicken, dass sie viel härter arbeiten muss als ihre männlichen Kollegen, um von die-sen akzeptiert zu werden. Dabei werden sie vielfach als unkooperativ, über-heblich, unwillig bis faul und wenig einfühlsam dargestellt.

 

Die Frauen, vor allem Lea Nielsen, sind dagegen „Superwomen“: klug, mit Kombinationsgabe und der Fähigkeit zu logischem Denken gesegnet, empa-thisch, entscheidungsfreudig. Dumm nur, dass dieses Bild durch ihr Handeln oft ad absurdum geführt wird: Das Vergessen der Handy- und Laptop-Aus-wertung des Opfers habe ich bereits beispielhaft erwähnt.

Außerdem gibt die Oberkommissarin mit ihren eigenmächtigen Entscheidun-gen und unkorrekten, Vorschriften ignorierenden Aktionen der Meinung ihrer Vorgesetzten und Kollegen über sie nur allzu oft Recht. Dass sie von eben-jenen dann in ihre Schranken gewiesen wird, ist nicht mehr als recht und billig.

 

Wie auch schon beim Vorgänger-Band nehmen die beiden Nebenhandlungs-stränge um Lea Nielsens dementen Vater und die frische Liebesbeziehung – im Wesentlichen aus Essen und anschließendem Sex bestehend – überpro-portional großen Raum ein.

 

Fazit: Die Folgebände werde ich mir nicht mehr antun.

 

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