Kriminalroman
Die Studenten Inga und Marius hatten sich in der Mensa
ihrer Uni kennengelernt und recht schnell geheiratet. Das
ist jetzt 2 Jahre her. Dabei könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Während die bodenständige Inga im Allgemeinen vernünftig und planvoll handelt, agiert ihr chaotischer Mann meist spontan, ohne vorher eventuelle Risiken abzuwägen.
So überrascht er sie im Juli damit, während der Semesterferien gemeinsam Urlaub am Mittelmeer zu machen. Ein Bekannter würde ihnen als Dank für
die Hilfe bei einer Seminararbeit sein Auto sowie seine Campingausrüstung leihen. Obwohl Inga aus verschiedenen Gründen Bedenken hat, gibt sie in Anbetracht von Marius' Begeisterung nach. Dass der Bekannte sein Auto dann doch nicht herausgeben will, entlockt ihr nur einen resignierten Seufzer.
Und so trampen sie schließlich mit der schweren Campingausrüstung Richtung Mittelmeer. Bei 40 Grad im Schatten landen sie nach einiger Zeit schwitzend, durstig, mit Blasen an den schmerzenden Füßen und am Rande ihrer Kräfte auf einer menschenleeren Dorfstraße irgendwo in Südfrankreich.
Während Marius sich aufmacht, um etwas Trinkbares zu besorgen, bleibt Inga im Halbschatten einer Mauer zurück, wo sie einschläft.
Sie schreckt hoch, als ein Fremder sie anspricht: Maximilian ist etwa Mitte 40, kommt aus München und ist mit dem PKW auf dem Weg zu seiner alten Freundin Rebecca, die in einem Dorf am Mittelmeer wohnt. Er bietet dem jungen Paar an, es mitzunehmen, und die jungen Leute nehmen das Angebot gerne an.
Die verwitwete Rebecca lässt sie in ihrem Garten campen, und da Marius offenbar ein erfahrener Segler ist, überlässt sie ihnen auch das Boot ihres verstorbenen Mannes für einen Törn.
Doch auf See kommt es während eines Unwetters zu einer Auseinander-setzung zwischen Inga und Marius, in dessen Verlauf Inga schwer stürzt und ohnmächtig wird. Als sie wieder zu sich kommt, ist ihr Mann verschwunden. Wurde er vom Baum getroffen und über Bord geschleudert?
Es gelingt ihr, das Boot in den Hafen zurück zu manövrieren und sich bei Rebecca zu erholen. Sie ist davon überzeugt, dass ihr Mann noch lebt und irgendwann wieder auftauchen wird.
So geschieht es nach gut einer Woche auch – doch Marius ist ein anderer geworden, Inga erkennt ihren Mann kaum wieder.
Resümee: Die erste Hälfte es Buches ist recht spannend: Der Leser lernt Inga und Marius kennen und ahnt aufgrund ihrer total unterschiedlichen Charaktere und der äußeren Umstände, dass der Urlaub nicht problemlos ablaufen wird, Spannungen vorprogrammiert sind.
Nach kleineren Querelen kommt es auf einer staubigen, einsam gelegenen Dorfstraße im hochsommerlichen Südfrankreich zu einem ernsthaften Konflikt:
Inga ist völlig k.o., am Verdursten, hat schmerzende Füße und kann einfach nicht mehr. Sie lässt Marius ihren Unmut deutlich spüren, sodass der sich schließlich in der größten Mittagshitze aufmacht, um irgendwo etwas Trink-bares zu bekommen. Seine Frau setzt sich in den Halbschatten. Als der Münchener Maximilian mit seinem Auto neben ihr anhält, fragt der Leser sich, ob dies wirklich ein zufälliges Zusammentreffen ist – es ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Er erklärt, seine verwitwete Freundin Rebecca, die am Mittelmeer wohnt, mit seinem Besuch überraschen zu wollen. Aber was hat ihn vom direkten Weg abgebracht und in diese einsame Gegend verschla-gen?
Rebecca hat den Unfalltod ihres Mannes vor 9 Monaten nicht verkraftet, ist schwer depressiv und hat alles vorbereitet, um sich an diesem Tag das Leben zu nehmen. Durch die Ankunft der Gäste wird dieses Vorhaben vereitelt. Genau wie die Witwe fragt sich auch der Leser, welche Absichten Maximilian tatsächlich verfolgt, denn sein Verhalten ihr gegenüber erscheint undurch-sichtig, sein Engagement in Bezug auf Inga und Marcus suspekt.
Das junge Paar darf im Garten campen und freut sich, dass es aufgrund der Fürsprache des Mittvierzigers das Boot von Rebeccas verstorbenem Mann für einen Törn ausleihen darf.
Die Vorausdeutung eines aufziehenden Unwetters lässt den Leser nichts Gu-tes ahnen. Und tatsächlich kommt es zu einer Katastrophe – Marius scheint über Bord gegangen zu sein, während Inga ohnmächtig war.
Es stellt sich die Frage, ob er tödlich verunglückt ist, angegriffen wurde, sich heimlich abgesetzt hat oder wieder auftauchen wird. Während er noch ver-schwunden ist, reist Maximilian wieder ab - offiziell, weil Rebecca nicht auf seine Avancen eingeht. Aber für den Leser hat dies ein Geschmäckle; mir kam es so vor, als habe er eine Aufgabe erledigt und könne nun fahren. Aber bis kurz vor Schluss des Buches bleibt er „unsichtbar“.
Unmittelbar bevor Inga wieder nach Deutschland zurückkehren will, taucht plötzlich ihr Mann völlig wesensverändert wieder auf.
Und ab jetzt – nach ca. der Hälfte des Buches – wird es langweilig:
Es gibt nur noch wenig fortschreitende Handlung, sie besteht zum Großteil aus mehr oder weniger langatmigen Gesprächen zwischen den Protago-nisten, in denen man Marius' tragische Lebensgeschichte erfährt. Einzelne Elemente wiederholen sich dabei ständig, anderes variiert zwischen klischee-haft und unglaubwürdig. Das Geschehen macht kaum, und wenn doch, dann nur sehr zähe Fortschritte.
Leider gibt es dann zum Schluss noch eine dramatische Wendung, die alles Vorherige ad absurdum führt – haarsträubend und unglaubwürdig. Hier gilt der Satz: Weniger wäre (zumindest etwas) mehr gewesen.
Fazit: ein ungewöhnlich schwaches Buch
der von mir sehr geschätzten Autorin
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